ONLINE Kräuterführung

Gänseblümchen viele

Liebe Natur- und Kräuterfreunde,

da ich im Moment aus aktuellem Anlass keine Kräuterführungen und sonstige Veranstaltungen durchführe, gibt es doch die Möglichkeit, dies online zu tun.

Ich halte mich an das schöne Sprichwort von Friedrich Rückert (1788-1866)

„Schlägt dir die Hoffnung fehl, nie fehlt dir das Hoffen!
Ein Tor ist zugetan, doch tausend sind noch offen“.

Von manchen von Euch weiß ich mittlerweile schon, dass der geregelte Arbeitsablauf sich auf eine begrenzte Stundenzahl verringert hat. Gibt es da nicht die Gelegenheit, sich ein bisschen mehr um sich und sein Wohlergehen zu kümmern?

Zum Glück bietet sich ja noch für jeden der Freiraum, einen Spaziergang durch Wald und Flur zu machen und vielleicht etwas achtsamer und bewusster „die Pflanzen am Wegesrand“ zu betrachten, sich daran zu erfreuen und eine kleine Menge „Proviant“ mit nach Hause zu nehmen.

Viele können sich auch noch glücklich schätzen, einen eigenen Garten oder ein Grundstück zu besitzen, und auch so wertvolle Grundnahrungsmittel selbst zu ernten, ohne nur einen Cent dafür ausgegeben zu haben. – Lässt das das Schwabenherz nicht höher schlagen?

Bei meiner Gartenarbeit entdeckte ich schon eine Menge „Wildwuchs“, früher auch „Unkraut“ genannt. Heute nennt man es Superfood. Doch es muss nicht alles auf dem Komposthaufen landen, geben Sie es doch mal in den Suppentopf.
Dieser Markt hat immer geöffnet und der Mindestabstand kann normalerweise auch gut eingehalten werden.

Legen Sie einfach los,
ich werde in der nächsten Zeit laufend neue Pflanzen und Vorschläge einstellen,
schauen Sie rein, Sie werden überrascht sein, was die Natur so alles bietet.

Natürlich ist es wichtig, das Pflanzengut zu verlesen und zu waschen, bevor es auf den Tisch kommt.

Und Hände weg von Pflanzen, die Sie nicht sicher kennen. Die Verantwortung liegt bei Ihnen.

Wichtigste Sammeltipps hier: Wissenswertes
und passende Rezepte unter der jeweiligen Rubrik bei: Rezepte

Ich wünsche viel Spaß beim Schmökern und Experimentieren mit den Kräutern.

Ihre/Eure
Claudia Sandler

Beginnen möchte ich mit dem Gänseblümchen (Bellis perennis).

Wenn die Kraft der Sonne wiedererwacht, beginnt es zu blühen. Daher ist es eine der ersten Pflanzen, deren Blüten unser Herz erfreut.

Man könnte meinen, die Pflanze sucht unsere Nähe, denn sie ist wohl in jedem Garten, auf Rasenflächen oder auf Wiesen anzutreffen.

Sie ist uns allen wohl schon seit unserer Kindheit bekannt und so kann sie auch recht sicher bestimmt werden, denn eine Verwechslung gibt es nicht.
Schauen wir die Blüten genauer an, sind weiße oder rosa Zungenblüten zu sehen, in deren  Mitte gelbe Röhrenblüten sitzen – aus der Gattung der Korbblütler.
Beim Betrachten entdecken wir meist eine Rosette knapp über dem Boden (ähnlich dem Ackersalat), die aus ovalen, behaarten Blättern besteht.

Naturbeobachtung:
Die offenen Blüten wenden sich immer der Sonne zu. Wenn Regen zu erwarten ist, wölben sich die Zungenblüten über die gelben Röhrenblüten, in denen sich die Staubgefäße befinden.
Manch kleine Insekten lassen sich darin mit einschließen, um so eine trockene Herberge mit optimalen Öffnungszeiten zu finden.
Bei vielen Blüten wird dann das wunderschöne „Abendrot“ deutlich sichtbar, welches gerne die zarten Blütenspitzen und die Unterseite der sonst strahlend weißen Blütenblätter ziert.

Zur Ernte wird die gesamte Pflanze samt Blüte wie Ackersalat geschnitten (am unteren Ende der Rosette). Gründliches Waschen und Spülen empfiehlt sich, da sich der Regenwurm gerne bei den Gänseblümchen aufhält.

Verwenden können Sie die Blattrosetten, die Knospen und die Blüten.
Der Geschmack ist eher leicht nussig, also nicht so ausgeprägt wie vom Löwenzahn.

Auf dem Speiseplan ist es am einfachsten die jungen, zarten Blätter und die Blüten frisch in den Salat zu mischen oder in Suppen, Soßen, Smoothies, Kräuterquark und -butter zu geben.
Als essbare Dekoration für Salate, ebenso wie für süße Gerichte aller Art sind die hübschen Blüten ein Augen- und Gaumenschmaus. Ich hab die Torten zur Erstkommunion immer mit Gänseblümchenblüten dekoriert, da ich finde, dass beides sehr gut zusammenpasst.

Wenn mit Kindern gekocht wird, eignen sich die Blüten hervorragend.
Probieren Sie einmal folgendes: Geschlossene Blütenköpfchen in eine heiße Suppe geben und nach kurzer Zeit öffnen sich diese wie von „Geisterhand.“

Man kann auch einen Gänseblümchenquark zubereiten.

              • Dafür Quark mit Schlagsahne vermischen.
              • Birnenwürfelchen und etwas Zitronensaft zugeben.
              • Gänseblümchen waschen und unterheben, fürs Auge ein paar oben darauf verteilen.
              • Wer Süße mag, etwas Agavendicksaft darüber gießen oder etwas Marmelade untermischen – fertig.

[weitere Rezepte unter Suppen und Konserviertes]

Möchte man die Pflanze für seine Gesundheit nützen, sei darauf hingewiesen, dass in den Blättern und Blüten Inhaltsstoffe wie Saponine, Bitter- und Schleimstoffe, ätherisches Öl und organische Säuren zu finden sind.
Daher wird ihr eine stoffwechselanregende, blutreinigende und entwässernde Wirkung zugeschrieben.

Diese Wirkstoffe machte sie im Mittelalter zu einer guten Teepflanze bei Husten, Hauterkrankungen und Stimmungsschwankungen.

Hier ein Ausschnitt über die Anwendung:
(Diese Zeilen möchte ich in der jetzigen Stimmungslage der Bevölkerung auf keinen Fall unerwähnt lassen – so einfach zu tun ist selten einmal ein Rat.)

Für uns Menschen ist die Quelle von Lebensfreude und Lebensenergie die Sonne.
Ein besonderer Vermittler dieser starken Energie ist das Gänseblümchen.
Schon das Betrachten einer grünen Gänseblümchenwiese bringt den Betrachter auf hoffnungsvolle Ideen und fröhliche Gedanken.

Und wenn man dann noch hört, dass die Pflanze im Volksmund auch Maßliebchen, Tausendschön, Himmelsblume oder Regenblümchen genannt wurde – und ihr botanischer Name „Bellis perennis“, das so viel wie „die ausdauernde Schöne“ bedeutet – bekommt man dann doch eine Ehrfurcht vor diesem schönen, zuerst einmal unscheinbaren Pflänzchen.

In diesem Sinne „Gott zur Ehre, uns zum Heile“.

Gänseblumenwiese

07.04.2020:
Weiter geht es mit dem Gartenschaumkraut (Behaartes Schaumkraut)

 

In den letzten Jahren hat sich eine Pflanze bei uns angesiedelt, die sich über die gekauften Gartensubstrate enorm verbreitet hat. Schauen Sie doch gleich einmal in Ihrem Garten nach, ob Sie sie entdecken. Sie ist viel zu schade, um als „Unkraut“ ausgehackt zu werden.

Seit ich diese Pflanze kenne, liebe ich sie. Zum einen wegen ihrem tollen Geschmack, und zum anderen braucht sie wie die sonstigen Wildkräuter keine zusätzliche Pflege im Garten.

Das Gartenschaumkraut (Cardamine hirsuta) gehört zu der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) und ist verwandt mit dem Wiesenschaumkraut, dem bitteren Schaumkraut und der Brunnenkresse (wer dieses kennt, kann auch eine gewisse Ähnlichkeit den einzelnen Blätter feststellen).

Die einjährige Pflanze bildet zuerst eine Blattrosette.
Die gefiederten Blätter setzen sich aus 6-8 Einzelblättchen zusammen und schließen am Ende mit einem etwas größeren Blatt ab.
Dann sprießt aus der Mitte der Rosette ein kleiner Blütenstängel mit einigen weißen Blütchen.
Daraus entstehen dann kleine längliche Schoten, die dann zur Vermehrung der Pflanze beitragen.

Die Blätter und Blüten besitzen einen ausgeprägten, wohlschmeckenden Kressegeschmack.
Sie enthalten viele Mineralstoffe, etwas Bitterstoffe und sind überdies das ganze Jahr ein guter Vitaminspender (Vitamin C bis 360mg/100g = 3-facher Tagesbedarf).

Im jungen Zustand werden die Blätter der Grundrosette, die wieder wie Ackersalat geschnitten werden, können für Salat, Pestos, Suppen, Gemüse, Smoohies, Kräuterquark als Würzkraut verwendet werden.

Für die Verarbeitung die Blattrosetten gut waschen. Dann diese am unteren Ende quer durchschneiden, dass es einzelne Blättchen gibt. Evtl. nochmals waschen.

Als kleine Anregung ein von mir kreiertes Rezept, als ich verschiedenes eingelegtes Gemüse gekauft hatte:

Mediterraner Reissalat

      • Reis weichkochen und abkühlen lassen.
      • Mit entsteinten Oliven, eingelegten geschnittenen Paprikaschoten und Artischockenherzen mischen.
      • Aus Essig, Öl, Salz, Pfeffer, etwas Honig und Knoblauch (oder kleingeschnittene Bärlauchblätter) eine Marinade mischen.
      • Über die Reismischung geben und unterheben.
      • Zum Schluss grob geschnittene Blätter des Gartenschaumkrauts zugeben.

[ein weiteres Rezept unter Salate]

Die Volksheilkunde empfiehlt die Pflanze bei rheumatischen Beschwerden, zur Anregung der Verdauung und zur Stärkung des Immunsystems.
Auch wenn überall die Erkältungskeime herumschwirren, ist die antibakterielle Wirkung seiner scharf schmeckenden Senfölglykoside besonders willkommen. Dafür einfach ein paar Blättchen davon in die Backentasche schieben, so können die keimtötenden Inhaltsstoffe schon im Mundraum wirken und Entzündungen von Hals und Atemwegen vorbeugen.

Nun wünsche ich viel Spaß beim „Suchen“, Entdecken und Zubereiten.

09.04.2020 Heute möchte ich Ihnen eine schöne Idee vorstellen:

Ostereier mit Zwiebelschalen und Naturmaterialien färben

Mit ein paar Zwiebelschalen und einigen Blätter und Blüten aus der Natur kann man wunderschöne Erfolge erzielen. Wiesenschlüsselblumen, Veilchenblüten, kleine Blätter von Erdbeeren, Löwenzahn, Girsch oder Karottengrün eignen sich besonders gut. Desto filigraner die Blätter, umso schöner wird das Ergebnis. Doch da ist dann auch etwas Fingerfertigkeit gefragt.

  • Zu Beginn lege ich die Blätter und Blüten kurz in lauwarmes Wasser, so haften sie dann besser an der Schale. Dann wird das „Pflanzgut“ vorsichtig auf das Ei gelegt.
  • Jetzt wird ein zurechtgeschnittenes Stück von einer Nylonstrumpfhose à ca. 15 x 15 cm darüber gezogen und hinten mit Küchengarn fest zusammengebunden.
  • Nun ca. 2,5 Liter Essigwasser (2 EL Essig mit 5% Säure) mit ca. 70 g braunen Zwiebelschalen (eine Hand voll) 10 Min. köcheln lassen, bis ein schöner rotbrauner Sud entsteht.
  • Die Eier vorsichtig mit einem Esslöffel hineinlegen und diese etwa zehn Minuten kochen lassen. Anschließend noch eine halbe Stunde im Farbbad liegen lassen, denn je länger die Eier drin bleiben, desto intensiver der Farbton. -Man kann weiße und braune Eier verwenden, die braunen werden noch dunkler.-
  • Anschließend kalt abspülen und auspacken. Tataa … das ist der spannendste Moment!
  • Zum Schluss reibe ich die Schalen noch mit etwas Öl oder mit einer Speckschwarte ein, um für ein glänzendes Ergebnis zu sorgen.

Wer jetzt dem Dekorausch verfallen ist, hier noch ein kleiner Tipp:

Möchte man ausgeblasene Eier verwenden, dann die Löcher mit Wachs verschließen. Da die leeren Eier schwimmen, diese am besten mit einem Löffel drehen oder mit einem kleinen Teller oder Glas untertauchen. Dabei sollte das Ei ab und zu gewendet werden.

Vielleicht kann ich Sie dazu motivieren mir es nachzumachen, es macht riesig Spaß, denn jedes Ei ist ein Unikat.

Ich wünsche Ihnen und Euch allen ein gesegnetes und gesundes Osterfest.

22.04.2020

Jetzt wird’s im ersten Moment etwas unangenehm, doch möchte ich über einen der größten Schätze in unserem Pflanzenreich berichten.

Wer das wohl ist… – es ist die Brennnessel (Urtrica dioica) aus der Familie der Brennnesselgewächse.

Ja, Sie haben richtig gelesen. Die Brennnessel ist ein wahrer Schatz in unserer Natur und gilt gleichzeitig als das „Unkraut“ schlechthin. Es heißt sogar, sollte nur eine Pflanze auf unserer Erde stehen bleiben, so wäre es diese Pflanze.

Nicht umsonst „folgt“ sie uns Menschen, denn wo unsere Böden gut gedüngt -oft sogar überdüngt- sind, fühlt sie sich wohl.
Sie bildet unterirdisch ein Geflecht mit vielen Knotenpunkten und aus jedem dieser Punkte wächst jeweils eine neue Pflanze empor.
Daher wächst sie in Massen, doch es gibt einen großen Vorteil davon: Die Ernte ist schnell erledigt.

Wären da nur nicht die unangenehmen Brennhaare…  Autsch, doch nicht so schlimm.

Doch wo ein Wille ist, gibt es auch einen Weg. Am besten man rüstet sich mit Wollhandschuhen oder anderen dichten, etwas festeren Gartenhandschuhen aus und schneidet die oberen Spitzen der jungen Triebe ab.

Ich benütze zur Ernte immer eine große Schüssel, halte sie an die Brennnesseln und so kann ich mit der Schere die Spitzen (die oberen 2-3 Blattpaare) abschneiden und das Erntegut fällt ganz von alleine in die Schüssel.

Junge Brennnesseltriebe können laufend geerntet werden. Um die Brennkraft zu minimieren, die Blätter mit einem Nudelholz kräftig walken. Zum Waschen kann eine Schaumkelle verwendet werden.

Heute möchte ich mein Lieblingsrezept für einen Brennnesselspinat vorstellen.
Er kann wie normaler Spinat gegessen, aber auch für Füllungen usw. verwendet werden.

Seien Sie mutig, es lohnt sich … und so schmecken Brennnesseln sogar Kindern!

750 g Brennnesselspitzen
750 g Blattspinat oder Mangold
1 Zwiebel
1-2 EL Butter
1-2 EL Dinkelmehl
Hefewürze, Salz, Pfeffer
Süße Sahne

            • Brennnesseln mit einem Wellholz abwellen, mit Spinat oder Mangold waschen und evtl. größere Blätter zerschneiden.
            • Gewürfelte Zwiebel und Mehl in Butter leicht braun andämpfen, Brennnesseln und etwas später Spinat zugeben und ca. 15 Min. bei geringer Hitze dünsten. (Sollte die Masse sehr trocken sein, etwas Wasser zugeben.) Nach Geschmack würzen.
            • Zum Schluss etwas Sahne zugeben.

Hmmm ich wünsche guten Appetit

[weitere Rezepte unter ‚aus der Pfanne‚ und ‚aus dem Ofen‚]

Zum Schluss möchte ich noch auf die tolle Anwendung der Brennnessel im Garten aufmerksam machen.
Ihr Einsatz kommt folgendermaßen zur Wirkung:

      • Heilkräuter bilden mehr ätherische Öle, wenn Brennnesseln in unmittelbarer Nähe wachsen.
      • Grüne Tomaten lassen sich innerhalb von 4-6 Wochen gut nachreifen, wenn sie in eine dunkle Kiste zusammen mit frischen Brennnesseln gelegt werden.

Hier wird Brennnesseljauche eingesetzt:

      • Als natürliches Fungizid gegen Mehltau aber auch gegen Läuse.
      • Sie ist eine wertvolle und natürliche Wachstumshilfe für stark zehrendes Gemüse.
      • Die Pflanzensäfte der mit Brennnesseljauche gedüngten Gemüsepflanzen verändern sich, so dass sie für Fraßinsekten weniger interessant sind. Auch für den Boden und die darin lebenden Mikroorganismen, Regenwürmer und andere Lebewesen ist Jauche gesund.

So wünsche ich gutes Gedeihen und viel Gärtnerglück.

 

Immer wieder kommen tolle Rückmeldungen, herzlichen Dank dafür.

Bleiben Sie dran, es lohnt sich, ich hab noch viele neue Ideen.

Doch geht es nicht immer so schnell.

27.04.2020

Es liegt was in der Luft.
Und wenn es nach Knoblauch riecht, ist auch der Bärlauch (Allium ursinum) nicht weit.

Daher wurde er auch in früheren Zeiten Waldknoblauch, wilder Knoblauch, Bärenlauch oder Hexenzwiebel genannt.

Doch wo finden wir ihn?
Bärlauch liebt die Gesellschaft und den lichten Wald, deshalb wächst er am liebsten halbschattig, meist in Misch- oder Laubwäldern auf feuchten, nährstoffreichen Böden.
Er nützt die Zeit von Februar bis April für seine Wachstumsphase, solange die Laubbäume über ihm noch kahl sind.
Manchmal findet man ihn auch an Bachrändern.

Um ihn genau bestimmen und ernten zu können, ist schon eine gute Kenntnis notwendig. Daher hab ich auch bis zur jetzigen Zeit gewartet, da er blühend besser zu erkennen ist.
So kann man sich ihn schon mal genauer anschauen. Wer sich aber unsicher ist, sollte lieber einen Bärlauchkundigen mitnehmen.

 

Jetzt aber zu seinen typischen Merkmalen:

Zuerst sind nur grüne Blattspitzen erkennbar, die sich aus kleinen Zwiebeln schieben.
Die Blätter sind gestielt, lanzettlich, mit parallel verlaufenden Blattnerven. Sie sind spitz auslaufend, 2-7 cm breit und können 20-40 cm lang werden.

Die Blüten sind weiß, kugelig, sie setzten sich aus bis zu 25 sternförmigen, weißen Einzelblüten zusammen und duften wie die Blätter nach Knoblauch.

Der Bärlauch gehört zur Familie der Liliengewächse und seine Verwandtschaft mit Lauch, Zwiebel und Schnittlauch ist unverkennbar.

 

Doch Vorsicht!!!

Verwechslungen können mit den giftigen Pflanzen wie Herbstzeitlosen, Maiglöckchen oder dem Aronstab vorkommen. 
Auch dafür gibt es sichere Erkennungsmerkmale.

Die Blätter von Maiglöckchen rollen sich zigarrenartig und es kommen immer 2 Blätter aus der Sprossachse.

Die Blätter von Herbstzeitlosen sind ungestielt, es wachsen mehrere aus der unterirdischen Sprossknolle. Sie sind nach innen  zur Blattoberseite hin löffelartig gerundet.

Der Aronstab hat verzweigte (netzartige) Blattadern. Sie weisen im fortgeschrittenen Stadium am Stängelansatz zwei markante Zipfel auf, ähnlich wie beim Sauerampfer. Die jungen Blätter haben diese markanten Zipfel jedoch noch nicht. Daher sieht nach meiner Erfahrung der Aronstab und der Bärlauch im ganz jungen Stadium zum Verwechseln ähnlich. Daher ganz junge Triebe lieber stehen lassen.
Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal sind dann die Blattnerven, die beim Aronstab netzartig verlaufen und beim Bärlauch parallel.

Schauen Sie in den Untergrund, auch die Knollen sind ein wichtiges Unterscheidungsindiz.
Maiglöckchen haben unterirdische Wurzelausläufer. Die Knolle der Herbstzeitlose sind größer und runder als die des Bärlauchs.

Bärlauchkraut
Bärlauch
Maiglöckchen1
Maiglöckchen
Aronstab
Aronstab

Endlich aber auf zur Ernte:

Da nur einwandfreies Sammelgut nach Hause gebracht wird, die Blätter sorgfältig einzeln abbrechen bzw. abschneiden, statt einfach Büschelweise abzureißen.
Möchte man den Bärlauch ernten, kann man grundsätzlich alle Pflanzenteile verwenden. Den besten Geschmack liefern jedoch die jungen Blätter im März und Anfang April (doch an ganz schattigen Stellen kann auch noch später geerntet werden).
Am besten sammelt man vormittags, wenn sie noch im wahrsten Sinne des Wortes „taufrisch“ sind. 
Die Blätter sind am schmackhaftesten und besitzen mehr Inhaltsstoffe, bevor die Pflanze blüht.
Danach können die Knospen und Blüten gesammelt werden.

Ernährungstechnisch hat der Bärlauch auch viel zu bieten. Er enthält Lauchöle, Schwefelverbindungen, hohe Konzentration an Magnesium, Mangan und Eisen, reichlich Vitamin C –  100g Frischpflanze enthält ca. 150 mg Vitamin C, 340 mg Kalium, 320 mg Mangan, Chlorophyll.

In der Küche werden dann die jungen Blätter als Pesto oder Gewürz, für Kräuterquark oder -butter, für Suppen, Frischkäse, als Gemüsegerichte oder Brotbelag usw. verwendet.

Die weißen Blüten schmecken angenehm süß und zart nach Knoblauch. Sie sind eine dekorative Zutat zu vielen Gerichten, z.B. über Salate und Suppen gestreut oder um kalte Platten zu dekorieren.

Eine wahre Delikatesse als kleine Vorspeise sind die jungen, zarten Knospen.

Gebratene Bärlauchknospen

      • Nach Bedarf werden die Knospen gewaschen und gut getrocknet.
      • Nun können sie mit einem kleinen Teil vom Stiel kurz in Butter angebraten werden.
      • Dann auf einen Teller geben und sofort mit Parmesan bestreuen und servieren.

Oder man mischt die gebratenen Knospen und etwas Bärlauchpesto unter gekochte Nudeln und gibt dann noch etwas Parmesan darüber.

[weitere Rezepte unter ‚Konserviertes‚ und ‚aus der Pfanne‚]

Für alle, die noch an den Anwendungsgebieten interessiert sind:

Der Bärlauch soll blutreinigend, Stoffwechsel anregend, harntreibend, blutdrucksenkend, antiseptisch, allgemein stärkend und entzündungshemmend wirken.
Außerdem wird er als Einschleuserpflanze bei Eisenmangel empfohlen.

In der Volksheilkunde wird er gern zur Reinigung und Entschlackung des Körpers eingesetzt.
Eine positive Wirkung wird ihm bei Arteriosklerose und Bluthochdruck zugesprochen.
Doch wegen der blutdrucksenkenden Wirkung sollten ihn Menschen mit niedrigem Blutdruck mit Vorsicht genießen.

Und noch ein kleiner Gartentipp:

Möchte man Bärlauch im Garten ansiedeln … gerne.
Entweder man kauft die angebotenen Bärlauchpflanzen und setzt sie an die für ihn günstige Stelle, auch hier sind wieder Laubbäume oder Hecken und feuchte nährstoffreiche Erde von Vorteil.
Oder man kann auch Samen direkt im Herbst aussäen. Doch ganz wichtig dabei, die Samen sind Frostkeimer. Also unbedingt den Winter nützen.

Nach so viel Bärlauchwissen kann ich nur sagen, genießen Sie ihn und halten Sie Abstand.

04.05.2020

Der Mai ist gekommen…

Wenn sich am Waldboden große Teppiche mit Blätterquirlen entwickeln, handelt es sich meist um den Waldmeister (Galium odoratum, Rötegewächse).

Er liebt ausgedehnte Laubwälder, vor allem Buchenwälder, mit leicht kalkhaltigem Boden.
Auf meinem lehmigen Boden im Garten in halbschattiger Lage fühlte er sich richtig wohl.

 

Betrachten wir ihn genauer, so erkennen wir, dass die Quirlblätter in mehreren Etagen an einem 4-kantigen Stängel sitzen. Die länglichen Blätter sind am Rand etwas rauh, an der Oberfläche jedoch glatt.

Im Mai entfalten sich dann weiße, kleine, sternförmige Blüten mit je vier Blütenblättern, die in einer Trugdolde am oberen Ende der Pflanze blühen.
Aus den Blüten entwickeln sich stachelige Kügelchen mit kurzen Haaren und daraus später kleine Nüsschen, die die Samen tragen. Die sind dann für die Vermehrung zuständig, denn durch die haftenden Haare hängen die Samen im Fell von vorbeistreifenden Tieren fest und verbreiten sich so über größere Strecken.

 

Verwechselt werden kann der Waldmeister auf den ersten Blick mit dem Wald- oder Wiesenlabkraut, auch dessen Blätter sind quirlständig angeordnet. Sie entwickeln aber keinen typischen Waldmeisterduft. Doch giftig ist es nicht. Dazu später mehr.

Im frischen Zustand duftet der Waldmeister kaum, und so war ich mir dann immer etwas unsicher, ob ich auch die richtige Pflanze gesammelt hatte. Doch der Trick besteht darin, dass man das gepflückte Kraut erst etwas andrücken und anwelken lassen sollte, bevor sich der typische Waldmeisterduft entfaltet.

Die Ernte des Waldmeisters vor der Blüte wird empfohlen, da anschließend der Gehalt des Cumarins in den Pflanzen relativ stark ansteigt. Er ist auch noch in der Blütezeit verwendbar, sollte dann aber sparsamer dosiert werden.
Dafür werden die kompletten Waldmeisterstängel am besten mit einer Schere abgeschnitten oder mit den Fingerspitzen abgezwickt.

Man kann ihn für eine schnell zugängliche Ernte im Garten leicht kultivieren. Er liebt halbschattige, feuchte Stellen. Kauft man sich ein Töpfchen der Pflanze, vermehrt er sich innerhalb von kürzester Zeit. Nur Trockenheit und Staunässe mag er nicht.

Möchte man Waldmeister in der Küche verwenden, fällt einem doch als erstes die berühmte Maibowle ein. Doch die Pflanze kann noch viel mehr.
Lässt man sie eine Zeit lang in Milch, Wasser oder Apfelsaft ziehen, so enthalten Süßspeisen wie Pudding, Panna Cotta, Eis, Limonade oder Kuchen eine raffinierte, einzigartige Note.

Maibowle

10 Waldmeisterstängel
1 Flasche Rose- oder Weißwein
½ Bio-Orange
1 Flasche Sekt

            • Waldmeister einige Stunden anwelken lassen.
            • Gut gekühlten Wein in ein Bowlengefäß gießen.
            • Die Waldmeisterstängel bündeln und an einem Faden ins Gefäß hängen.
            • Orange in dünne Scheiben schneiden, in das Bowlengefäß legen und zusammen mit dem Waldmeister 20-30 Min. ziehen lassen.
            • Vor dem Servieren Waldmeister und Orangenscheiben herausnehmen und mit Sekt auffüllen.

Proooooooooooooost !!!

Und natürlich auch noch etwas Leckeres zum Essen – wie wäre das zum Muttertag ?!?

Waldmeisterroulade mit Rhabarberkompott

Füllung:

500 ml süße Sahne
60 g Zucker
1 Zitrone, in Scheiben geschnitten
1 Sträußchen Waldmeister, angetrocknet
1 Päckchen Sahnesteif, nach Belieben

Biskuit:

4 Eiweiß
1 Prise Salz
100 g Zucker
1 Zitrone, abgeriebene Schale
4 Eigelb
100 g Mehl
30 g Butter, flüssig, ausgekühlt

Kompott:

300 g Rhabarber, in 4×1 cm große Stängel geschnitten
EL Zucker
1 Zitrone, wenig abgeriebene Schale und
1 EL Saft
Puderzucker zum Bestäuben

Für die Füllung
Sahne und Zucker aufkochen, auskühlen lassen.
Zitronen und Waldmeister zugeben, zugedeckt 24 Std. in den Kühlschrank stellen.
Danach Sahne absieben, evtl. Sahnnesteif dazugeben, steif schlagen.

Für das Biskuit
Eiweiß mit Salz steif schlagen, Zucker und Zitronenschale beifügen, weiterschlagen, bis die Masse glänzt.
Eigelb kurz dazurühren. Mehl dazusieben, mit Butter sorgfältig darunter ziehen.
Teig auf dem mit Backpapier belegten Blech rechteckig, 1 cm dick ausstreichen.
In der Mitte des auf 220°C vorgeheizten Ofens 6-8 Min. backen. Sofort auf ein Tuch stürzen und mit dem heißen Blech zudecken, auskühlen lassen.

Für das Kompott
Rhabarber, Zucker, Zitronenschale und -saft zusammen aufkochen, zugedeckt bei kleiner Hitze 3-4 Min. garen, auskühlen lassen.

Biskuit vom Backpapier lösen. Mit der Füllung bestreichen, aufrollen, 30 Minuten kühl stellen.
Roulade mit Puderzucker bestäuben, in Scheiben schneiden. Mit dem Kompott servieren.

Die Inhaltsstoffe im Waldmeister sind Cumaringlycoside (spaltet beim Trocknen Cumarin ab), Asperulosid, Bitterstoffe und Gerbstoffe.

  • Der Haupteinsatz ist die Nutzung als Tee oder als Sirup gegen Kopfschmerzen und Migräne.
  • Man sollte ihn jedoch nicht überdosieren, denn sonst kann er Kopfschmerzen auslösen, also genau die Beschwerden, gegen die er eigentlich wirken soll.
  • Da der Waldmeister beruhigend wirkt, kann man ihn auch gegen Schlaflosigkeit und Unruhe verwenden.
  • Die Blutgerinnung wird vom Cumarin vermindert, so dass das Blut besser fließt, aber im Fall von Wunden schlechter gerinnt. Diese Eigenschaft des Waldmeisters sollte unbedingt berücksichtigt werden.
  • Man kann Waldmeister-Tee auch zur Stärkung der Blutgefäße, speziell der Venen trinken. Dadurch kann er, zusammen mit seiner Leber- und Nierenstärkenden Eigenschaft auch gegen geschwollene Füße eingesetzt werden.
  • Wegen seiner krampflösenden Wirkung heißt es, könne er Periodenkrämpfe lindern.

In der Mythologie gehört er zu den Kräutern von „Mariae Bettstroh“, d.h. er wurde früher Wöchnerinnen und ihrem Baby als Bettunterlage ins Bett gelegt, als Matratzen noch aus Stroh bestanden. Mit seinen beruhigenden und entkrampfenden Eigenschaften sollte es das Wohlbefinden von Mutter und Kind fördern.

Da beim Waldmeister der Duft eine wichtige Wirkung spielt, kann man ihn auch in Duftkissen einarbeiten.
Es eignet sich dazu, mit ins Bett genommen zu werden oder man kann es auch in den Kleiderschrank legen, um Motten fernzuhalten.
Dafür kann man den Waldmeister beispielsweise mit Zitronenmelisse, Steinklee, Salbei, Lavendel und anderen getrockneten Duftkräutern mischen.

13.05.2020

Der Giersch (Aegopodium podagraria) bringt mit seiner Überlebenskraft so manchen Gärtner zur Verzweiflung. Nicht umsonst wird er auch Gärtnerschreck genannt.
Doch wer ihn einfach als delikates, regelmäßig nachwachsendes Bio-Gemüse betrachtet und ihn so erntet, wird bald seine Kräfte schätzen lernen.
Vielleicht können Sie aus dieser Betrachtungsweise Friede mit ihm schließen, denn alles was wir nicht ausrotten können, benötigen wir ganz dringend.

Möchten wir gerade in jetziger Zeit unserem Körper viele wertvolle Inhaltsstoffe zur Verfügung stellen, sind wir beim Giersch mal wieder an der richtigen Adresse, denn er enthält viel Vitamin C, Kalium, Karotin und Mineralstoffe wie Eisen, Kupfer und Mangan.
Wer keinen Garten hat und ihn nicht kennt, der kann an Hecken oder in Auwäldern, Wald- und Wegrändern nach ihm Ausschau halten.
Er liebt Schatten und Feuchtigkeit, Trockenheit und Sonne bringen ihn aber auch nicht um.

 

 



Die jungen Blätter sind zuerst gefaltet und glänzend, später werden sie matt. Beim Reiben an den Blättern steigt ein sehr aromatischer Geruch auf – eine Mischung aus Möhre, Petersilie und Sellerie.

Dann heißt es: Drei, drei, drei, – bist beim Giersch dabei:
Denn der gefurchte Stängel ist 3-kantig.
Die Blätter sind immer 3-geteilt und am Rand gesägt.
Den Rest entdecken Sie bei einer Kräuterführung

Von Mai bis September bilden sich kleine weißliche Blüten, die sich zu ansehnlichen Dolden vereinen. Die Pflanze kann bis zu 1 Meter hoch werden. In naturnahen Gärten setzen sie einen schönen zarten Akzent.
Der Giersch gehört in die Familie der Doldenblütler. Leider gibt es einige giftige Pflanzen dieser Familie, jedoch lässt sich Giersch beim genaueren Hinsehen mit seiner charakteristischen Blattform und seinem stark aromatischen Geruch identifizieren. Man sollte Giersch jedoch nur sammeln und verwenden, wenn man sich 100%ig sicher ist. Markant ist der 3eckige Blattstiel!

 



In der Küche lässt sich der Giersch auf vielfältigste Weise einsetzen

und sollten in keiner Küche fehlen, denn die frischen jungen Blätter können gut als Petersilienersatz verwendet werden. Sie schmecken kleingeschnitten in Salat, Suppen, Gemüse, Aufläufen, Kräuterquark, Wildkräuterfüllungen, Smoothies oder aufs Brot gestreut.
…Er ist ein traditioneller Bestandteil der Gründonnerstagssuppe oder kann mit Brennnesseln gemischt, als Spinat gekocht werden (siehe Rezept Brennnesselspinat).
…Ältere Blätter (vorher die Stängel entfernen) können für Pesto, Frischpflanzensaft, in Suppen oder Gemüse mitgekocht, oder getrocknet als Wintervorrat verwendet werden.
…Die Blüten können Sie auch für Limonadenauszüge verwenden oder sie ähnlich wie Holunderblüten ausbacken.
…Die Früchte bzw. Samen sind scharf im Geschmack und perfekt für Salate oder als Gewürz für Eintöpfe geeignet. Ideal ist es, sie vor dem Gebrauch mit einem Mörser zu zermahlen.

Wenn Sie gerne Spätzle machen, probieren Sie doch mal diese Variante:

Gierschspätzle
(Zutaten für sechs Personen)

1 große Handvoll Giersch
100 ml Milch
1 guter TL Salz
5 Eier
500 g Mehl (Dinkel, Weizen oder Spätzlemehl).

        • Um dem Spätzleteig seine grüne Einfärbung zu verleihen, wird der Giersch mit ein wenig Milch püriert – also ihn in Streifen schneiden und mit der Milch in einen Mixbecher füllen.
        • Einige Salzkörnchen zufügen und mit dem Mixstab pürieren.
        • Danach mit den Eiern verquirlen und schließlich in einer Schüssel mit dem Mehl mischen.
        • Die Masse mit dem Kochlöffel kräftig schlagen, bis diese absolut glatt ist, wie Seide wirkt und Blasen wirft.
        • Sollte der Teig noch zu fest sein, etwas Wasser oder Sprudelwasser unterrühren.
        • Einen breiten Topf mit Wasser füllen, dieses zum Kochen bringen und salzen.
        • Den Spätzleteig portionsweise ins heiße Wasser geben – entweder mit der Spätzlepresse oder ganz klassisch vom Brett schaben.
        • Schwimmen die Spätzle oben, sind sie gar.
        • Dann werden sie mit einer Schaumkelle herausgefischt und in eine große Schüssel mit heißem Wasser gegeben.
        • Von dort aus durch ein Sieb abtropfen lassen und sofort frisch servieren.

Tipp: Man kann die Spätzle gut auf Vorrat zubereiten. Dann entweder in einer Schüssel zugedeckt kalt stellen oder in Portionsgefrierbeutel verpacken.
Die Spätzle können auch mit Brennnessel- oder Bärlauchblättern zubereitet werden.

Aber auch in der Volksheilkunde ist er sehr geschätzt:

Es wird ihm eine blutreinigende, entgiftende, krampflösende  und entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben. Daher wird er gern im Frühling zur Entschlackung eingesetzt. 

Sein botanischer Name verrät, dass er in alten Zeiten als Heilpflanze gegen Gicht (Podagra) sehr geschätzt war.
Zerquetschte Blätter eignen sich als Umschläge auf schmerzenden Gelenken, auch ein Absud aus den Blättern können als Badezusatz bei Rheuma, Gicht oder Krampfadern verwendet werden.

Zum Schluss noch ein kleiner Tipp für den Gärtner:

Am besten lassen Sie den Giersch in einer eine Ecke stehen, so hat man immer etwas Vorrat im Garten. Wird er regelmäßig geerntet, hat man immer junge Pflanzen.
Außerdem soll seine Ausbreitung gehemmt werden, wenn die Blätter regelmäßig bodennah abgeschnitten werden.

…Und sich nicht ärgern, wenn sich die Schnecken über die Petersilie hermachen.
= Man hat dann ja immer noch den Giersch.

In diesem Sinne wünsche ich guten Appetit und viel Freude mit dem Giersch.

25.05.2020

Die Vogelmiere macht ihrem Namen alle Ehre 

Auch die Vogelmiere (Stellaria media) aus der Familie der Nelkengewächse ist von unverwüstlicher Lebenskraft – deswegen wird auch sie als „ UnKraut“ bezeichnet. Diese unverwüstliche Lebenskraft überträgt sie auf den Menschen, der sie verzehrt.

Sie ist eine der wenigen Pflanzen, die ganzjährig blühen und gesammelt werden kann – sie beginnt zu blühen, wenn die Temperaturen nicht tiefer als 0°C liegen.

Am liebsten wächst sie auf feuchten, schattigen, meist nährstoffreichen Stellen im Garten, am Waldrand, auf Brachfeldern, an Mauern oder manchmal sät sie sich auch in Blumentöpfen oder -kästen selbst aus.

Zu erkennen ist sie an den langen Stängeln mit den saatgrünen eiförmigen Blättchen. Sie kommt gern in flächendeckenden Beständen vor, die von vielen kleinen leuchtendweißen, sternförmigen Blüten überzogen werden. Meist sind mehrere Pflanzen miteinander verwachsen.

Essbar sind Blätter, Stängel und Blüten. Am einfachsten schneiden Sie die saftigen oberen Triebe mit der Schere ab, schneiden alles klein und geben Sie über Salat oder Gemüse, auf das Butterbrot oder in Kräuterbutter, ins Omelette, über die Tomaten…
Auch einen Kräutertrunk, Smoothie oder ein Pesto kann man zubereiten.

… und überlegen Sie gut: schmeckt das jetzt nach rohem Mais oder eher nach jungen Erbsen?

 

In diesem Rezept verbindet sich der Geschmack der Miere mit den anderen Zutaten super gut und ist im Handumdrehen zubereitet.

Vogelmieren-Vitalgetränk

1 Handvoll Vogelmiere
½ Avocado
Saft ½ Zitrone
1 EL Leinöl
Wasser – nach Bedarf
1 Prise Kräutersalz
200 g Naturjoghurt (Sojajoghurt)

Vogelmiere evtl. waschen und verlesen und mit den übrigen Zutaten vermixen.
Gut gekühlt erhält man so ein erfrischendes Sommergetränk.

[ein weiteres Rezept unter Suppen]

Auch hat die Vogelmiere durch ihre Inhaltsstoffe viel zu bieten:

Sie ist reich an Vitamin A, Vitamin C, Schleimstoffen und Mineralien. Neben Kalium und Kieselsäure enthält sie Zink, Phosphor, Magnesium und Kupfer.

In der Volksheilkunde wird sie wegen ihrer verdauungsfördernden, harntreibenden und schleimlösenden Wirkung bei Husten, Verdauungsbeschwerden und Blasen- und Nierenproblemen eingesetzt. Außerdem als Salbe bei  verschiedenen Hautleiden.

Sebastian Kneipp führte die Vogelmiere in die Heilkunde ein und erzielte damit große Erfolge. Er setzte sie bei Lungenkrankheiten ein, wobei die schleimauslösende Wirkung genutzt wurde.
Pfarrer Künzle setzte die Vogelmiere besonders bei Kindern ein. So soll sie Kindern helfen, die unter häufigen Lungenentzündungen und Erkrankungen der Lymphdrüsen leiden. Er hat ihr auch eine leicht herzstärkende Wirkung zugeschrieben.

Ein Vogelmierenwein  wurde bei Erwachsenen bei allgemeiner Schwäche nach Erkältungen und auch bei Wetterfühligkeit empfohlen.

Hier das Rezept:
Geben Sie 2 EL geschnittene Vogelmiere in ¼ Liter guten Rotwein und erhitzen ihn – wie beim Glühwein – bis kurz vorm Sieden.
Sieben Sie dann ab und trinken ihn langsam und schluckweise.

Wissen Sie auch, woher die Pflanze ihren Namen hat?

Die lateinische Namensbezeichnung „Stellaria media“ bedeutet ‚mittlerer Stern‘ und beschreibt damit die Sternform der Blüte.

Vogelmiere heißt sie, weil sie ein ausgezeichnetes mineralstoffreiches Grünfutter für Vögel (Hühner etc. und vor allem für Zimmervögel) ist und von diesen auch gerne gefressen wird.

Dazu hab ich eine kleine Beobachtungsgeschichte:

Um genügend Vogelmiere vorrätig zu haben, hab ich sie in einen Blumenkasten gepflanzt.
Um einer schnellen Austrocknung vorzubeugen, hab ich etwas Schafwolle mit in die Erde gegeben.
Und kaum zu glauben was ich dann sah.
Ich wunderte mich, warum meine Miere so zerrupft aussah.
Dann machte ich die Entdeckung: Zuerst kamen kleine Meisen und Sperlinge und pickten an den jungen frischen Blättern und ließen sich es schmecken.
Etwas später entdeckten sie auch die Schafwolle. Voll bepackt damit in ihren kleinen Schnäbeln flogen sie davon. Bestimmt haben die Vögel(-jungen) so ein kuscheliges Nest.

Noch ein kleiner Gartentipp:

Wachsen doch mehr Pflanzen, als man Essen kann, lässt sie sich als Flachwurzler leicht entfernen.
Am besten jäten, wenn der Boden nach Regen noch feucht ist und möglichst, bevor sie wieder blüht und sich dann zu stark versamt. (Eine Pflanze kann 20.000 Samen bilden, daher keine blühenden Pflanzen auf den Kompost.)

Als Bodendecker macht sie sich in der Zwischenzeit nützlich, sie wirkt wie Mulch, hält also den Boden gleichmäßig feucht und luftig.
Sie ist eine Zeigerpflanze für Stickstoff.

Diese zarte Pflanze hat so viel Power und ist so hübsch.

Viel Freude mit der Vogelmiere. 

16.06.2020

Sommerzeit – Holunderzeit  (1. Teil)

Im Moment macht der Sommer zwar eine kleine Verschnaufpause, doch die Pflanzen erfreuen sich über das wohltuende Nass und sammeln wieder neue Kraft.

Der Holunder ist ein uralter, mystischer Hausstrauch, welcher schon immer die Nähe zu Menschen suchte. Für die genussreiche Küche und zum Heilen ist er ein Variationskünstler, der uns gleich zweimal im Jahr reich beschenkt. Im Frühsommer bringt er schneeweiße Blüten hervor, im Herbst schwarze, aromatische Beeren. Dieser Strauch der Gegensätze kann uns helfen, Harmonie sowie ein inneres Gleichgewicht zu finden.

Wenn wir jetzt an Wald- oder Feldrändern vorbei kommen, erkennt man den Holunder schon von weitem. Doch auch an menschlichen Behausungen fühlt er sich wohl. Seine cremeweißen Blüten sind schon ein prägnantes Erkennungsmerkmal, bei sonnigem Wetter verströmen sie einen betörenden Duft. Und so angelockt, stehen wir dann vor ihm und denken doch gleich an Frau Holle.

Genau genommen handelt es sich um den Schwarzen Holunder (Sambucus nigra) aus der Familie der Geißblattgewächse.
Der Strauch oder Baum kann 2-7 m hoch werden. Seine Blütezeit ist von Juni bis Juli.
Die Blätter sind gegenständig, lang zugespitzt, am Rand fein gesägt, die Endblättchen sind größer als die seitlichen.
Weitere typische Eigenschaften sind seine hellgraue, rissige Rinde, die im Alter gelbe Flecken aufweist.

Möchte man die Holunderblüten ernten, so stattet man sich an einem sonnigen Tag, am besten zur Mittagszeit, mit einem Korb und einer Schere aus und zieht los.

Es werden die ganzen Dolden mit einer Schere abgeschnitten und vorsichtig in den Korb gelegt. Natürlich kommen nur reinweiße und schädlingsfreie Blüten in den Korb.

Wenn das Angebot auch noch so groß ist, bitte nur ernten, was man benötigt.

Aber aufgepasst, beim Sammeln ist mir schon aufgefallen, das manche Sträucher unangenehm, ja fast muffig riechen. Woran das liegt, weiß ich nicht – vielleicht ist es eine andere Sorte … natürlich werden diese Blüten nicht gesammelt.

 

Doch dass das unwiderstehliche Aroma und die wertvollen Inhaltsstoffe sich voll entfalten können, sollten die Blüten Zuhause gleich weiterverarbeitet werden.

Auf keinen Fall dürfen sie gewaschen werden!

Wer sie trocknen will, der schneidet die einzelnen Blüten einfach mit einer Schere von der Dolde ab, gibt sie dünn z. B. auf ein mit Haushaltspapier bedecktes Backblech und lässt das Ganze noch eine Weile im Freien stehen, dass noch die letzten Käferchen davon fliegen können.

Dann am besten dunkel und nicht über 40°C trocknen.

Etwas ganz besonderes sind gebackene Holunderblüten.
Seit ich diese bei meiner Schwiegermutter das erste Mal gegessen habe, freue ich mich immer auf die „Holderzeit“.

20-25 etwas kleinere Holunderblütendolden, etwas Stiel dranlassen
150 g Mehl
180 ml Bier
5 EL Milch
1 EL neutrales Öl
2 kleine Eier (oder 1 großes)
10 g Zucker
1 Messerspitze Salz
Öl zum Frittieren/Ausbacken
Puderzucker

        • Eier trennen, Eiweiß steif schlagen.
        • Eigelb, Mehl, Öl, Bier, Zucker, Salz und Milch zu einem glatten Teig rühren.
        • Den geschlagenen Eischnee vorsichtig unterheben.
        • Der Teig darf nicht zu fest sein, so dass er sich nachher schön um die Blüten schmiegt. Daher sind die Mengenangaben etwas veränderbar.
        • Dann den Teig für mindestens eine halbe Stunde quellen lassen.
        • Währenddessen die Fritteuse auf 160°C vorheizen.
        • Sobald das Öl erhitzt ist, vorsichtig die Dolden am Stiel in den Bierteig tauchen, Teig mit einem Schneebesen etwas abklopfen, dass die Blüten nicht verkleben.
        • Goldgelb ausbacken und nach dem Frittieren auf einem Küchentuch abtropfen lassen.
        • Den Stiel abschneiden, die gebackenen Holunderblüten auf einem Teller anrichten, mit Puderzucker bestäuben.
        • Wer mag, kann etwas Vanilleeis und Erdbeersoße dazu reichen.

Mein Tipp:
Wer kein Bier verwenden möchte, der nimmt einfach Mineralwasser mit etwas Kohlensäure.

 

In der Volksmedizin wird der Holunder auch die „Hausapotheke des kleinen Mannes“ genannt.
Ihr Einsatz liegt vor allem in der schweiß- und fiebersenkenden Wirkung. Er soll auch helfen, hartnäckige Verschleimungen und Giftstoffe zu lösen.
Zu Heilzwecken werden die Blüten, meist als Tee, eingenommen. Sie enthalten Flavonoide (Rutin), ätherisches Öl, Gerbstoffe und Glykoside.

Für mich gehört Holunderblütentee zu gleichen Teilen mit Lindenblüten gemischt zu den wichtigsten Pflanzen bei einer beginnenden Erkältung.

Hier ein Auszug aus einem Pflanzenbuch:

  • Der Tee soll schweißtreibend, harntreibend und schleimlösend wirken, weshalb er auch im Stande sein soll, eine Erkältung aus dem Körper herauszulösen. Selbst bei hartnäckigen Verschleimungen bei Nasennebenhöhlenentzündungen oder Husten soll er helfen, diese aufzulösen.
  • Bei Schlafproblemen, vor allem im Zusammenhang mit Ängsten oder Depressionen, soll ein vor dem Schlafengehen getrunkener Tee mit Holunderblüten oder ein Holunderblütenbad gute Dienste leisten.
  • In abgekühltem Tee getränkte Wattebausche können müde und überanstrengte Augen erfrischen und bei Bindehautentzündungen und Rötungen Schmerzen lindern.
  • Ein Holunderblütenöl kann empfindliche, gereizte Haut auch nach Sonnenbrand pflegen.

… und nun noch ein Ausflug in die Mythologie:
Nach altem Volksglauben konnte Holunder negative Einflüsse von außen fernhalten, Negatives von Haus, Hof und Stall anziehen und in die Erde ableiten.
Daher wurde früher ein Holunderbusch als Schutzbaum ans Haus gepflanzt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine dufte Holunderzeit!